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Praxisbeispiel
Arbeits­platz­gestaltung für einen Lageristen

Wo lag die Herausforderung?

Der Lagerist hat eine Versteifung einzelner Wirbelsäulenabschnitte begleitet von chronischen Schmerzen. Tätigkeiten können von ihm nicht ausgeführt werden, welche mit dem Heben schwerer Lasten, bestimmten Körperhaltungen, wie häufigem Bücken, Überkopfarbeit und Armvorhalten einhergehen.

Was wurde gemacht?

Durch die Anschaffung eines handgeführten, elektrischen Gabelhubwagens wird die Handhabung von Lasten ohne schweres Heben ermöglicht. Ein höhenverstellbarer Arbeitstisch und eine fahrbare Trittleiter vermeiden Bücken und Überkopfarbeit.

Schlagworte und weitere Informationen

Die behinderungsgerechte Arbeitsgestaltung wurde vom Integrationsamt gefördert - dabei entstand für den Arbeitgeber kein wirtschaftlicher Vorteil. Die Beratung erfolgte durch den Ingenieur-Fachdienst für behinderungsgerechte Arbeitsgestaltung des Integrationsamtes - dem sog. Technischen Beratungsdienst.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Tel.- Nummern der Integrationsämter.

Arbeitgeber:

Der Arbeitgeber ist ein technischer Großhandel für die Betriebsausstattung (z. B. Kleb- und Schmierstoffe, Schleif- und Reinigungsmittel, Wälzlager, persönliche Schutzausrüstung usw.) mit 11 Mitarbeitern.

Behinderung und Funktionseinschränkung des Mitarbeiters:

Der Mann hat eine Versteifung einzelner Wirbelsäulenabschnitte begleitet von chronischen Schmerzen. Er nahm deshalb an einer Schmertherapie teil und nimmt entsprechende Schmerzmittel ein. Er sollte laut Reha-Entlassungsbericht nicht für Tätigkeiten eingesetzt werden, bei denen schwere Lasten manuell gehoben bzw. transportiert werden und bestimmte Körperhaltungen, wie häufiges Bücken, Überkopfarbeit und Armvorhalten, eigenommen werden müssen. Nach längerer Arbeitsunfähigkeit und Reha wurde zuerst ein Arbeitsversuch in seinem alten Tätigkeitsfeld unternommen, der mit Hilfe einer behinderungsgerechten Arbeitsgestaltung positiv verlief. Der GdB (Grad der Behinderung) beträgt 40, wobei eine Gleichstellung mit schwerbehinderten Menschen bei der Arbeitsagentur beantragt wurde.

Ausbildung und Beruf:

Der Arbeitnehmer verfügt über eine Berufsausbildung zum Metallfeinarbeiter und ist beim Arbeitgeber als Lagerist beschäftigt.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe (Istzustand):

Zum Aufgabenfeld des Mitarbeiters gehören die Entgegennahme eingehender Waren, der Transport in den Lagerbereich und das Kommissionieren nach Kundenauftrag. Die Waren werden ausschließlich mit Fahrzeugen im Außenbereich angeliefert. Je nach Warensendung ist die Mithilfe bei der Entladung erforderlich. Für den Transport von Kartons und Paletten stehen ein Transportwagen und jeweils ein manueller Handgabelhubwagen sowie Handgabelhochhubwagen zur Verfügung. Die palettierten Lieferungen haben ein Gewicht von bis zu 500 kg. Die angelieferten Waren werden nach dem Transport im Lager entpackt und in die einzelnen Regale eingeräumt, dabei werden Gewichte von 0,5 bis 25 kg manuell gehoben und getragen. In Bezug auf das Kommissionieren nach Kundenauftrag werden einzelne Waren und Kartons aus den Regalen bzw. von den Regalböden in einer Höhe von 10 bis 250 cm entnommen und abschließend Versandfertig auf einem Packtisch in gebeugter Körperhaltung verpackt.
Behinderungsbedingt kann die mit dem häufigen manuellen Heben sowie Tragen, die Einnahme von Zwangshaltungen (gebeugt, gebückt und überkopf) und das manuelle Schieben der mit schweren Paletten beladenen Transporthilfen verbundenen Tätigkeit so nicht weiter vom Lageristen ausgeführt werden.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe (Sollzustand):

Der Arbeitsplatz wurde behinderungsbedingt zur Reduzierung der Belastungen durch die manuellen die Hebe- sowie Transportarbeiten und Zwangshaltungen mit folgenden Hilfsmitteln ausgestattet:
- einem Elektro-Gabelhochhubwagen zum motorischen Transport der schweren Paletten
- einem Minilifter mit elektromotorisch verstellbarer Plattform zum Ein- und Auslagern der Waren sowie Kartons
- einer fahrbaren Leiter mit Trittstufen sowie gebremsten Rollen zur Vermeidung der Überkopfarbeit
- einem elektromotorisch höhenverstellbarer Packtisch zur optimalen ergonomischen Anpassung an die Körpermaße sowie Arbeitshaltung

Eingesetzte Hilfsmittel - Anzeigen der Produkte:

ICF-Items

Assessments - Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • EFL - Heben (Boden zur Taillenhöhe/Taillen- zur Kopfhöhe/horizontal)
  • EFL - Schweregrad der Arbeit (Last/Herzfrequenz)
  • EFL - Tragen (rechte, linke Hand/vorne)
  • ERGOS - aktuelle tägliche Dauerleistungsfähigkeit (Last/Herzfrequenz)
  • ERGOS - Bücken
  • ERGOS - statisches/dynamisches Heben
  • ERGOS - Tragen
  • IMBA - Arbeitszeit
  • IMBA - Geneigt/Gebückt
  • IMBA - Heben
  • IMBA - physische Ausdauer (Last/Herz-Lungensystem)
  • IMBA - Rumpfbewegungen (Bücken/Aufrichten)
  • IMBA - Tragen

Referenznummer:

Pb/110930


Informationsstand: 19.08.2016