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Praxisbeispiel
Arbeits­platz­gestaltung für einen Dekorateur

Wo lag die Herausforderung?

Behinderungsbedingt kann der Mann nicht schwer heben oder tragen und er sollte gewisse Körperhaltungen, wie Bücken, vermeiden. Der Arbeitsplatz musste mit entsprechenden Hilfsmitteln ausgestattet werden.

Was wurde gemacht?

Der Arbeitsplatz wurde auch für zwei weitere schwerbehinderte Mitarbeiter gestaltet, indem er mit Umlaufregalen, handgeführten Transportgeräten, Gabelhubwagen und Elektrokettenzügen ausgestattet wurde. Die drei Beschäftigten können nun wieder belastungsfrei arbeiten.

Schlagworte und weitere Informationen

Die behinderungsgerechte Gestaltung wurde von dem zuständigen Integrations- bzw. Inklusionsamt mit 35 % der entstandenen Kosten gefördert. Die Arbeitsplätze wurden für mehr als 10 Jahre als Arbeitsplätze für schwerbehinderte Menschen gebunden.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Telefon-Nummern der Integrations- bzw. Inklusionsämter.

Arbeitgeber:

Der Arbeitgeber ist ein Stadttheater mit 30 Mitarbeitern.

Behinderung und Funktionseinschränkung des Mitarbeiters:

Der Mann hat eine Wirbelsäulenerkrankung, Gelenkschäden am Schulter- sowie Kniegelenk und eine Knochenhauterkrankung am rechten Ellenbogen. Behinderungsbedingt kann der Mann Lasten manuell nur sehr eingeschränkt heben sowie tragen und in bestimmten Körperhaltungen arbeiten (z. B. gebückt). Der GdB (Grad der Behinderung) beträgt 40, die Gleichstellung mit schwerbehinderten Menschen ist bei der Arbeitsagentur beantragt.

Beruf:

Der Mann arbeitet als Dekorateur beim Stadttheater.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe (Istzustand):

Die Mitarbeiter werden je nach Personaldichte und Betriebssituation für alle anfallenden Arbeiten im Bühnenbereich eingesetzt. Erschwerend für die Mitarbeiter ist, dass ein großer Teil der Arbeitszeit in einem physiologisch ungünstigen Bereich liegt und bei laufendem Theaterbetrieb, insbesondere während der Vorstellung, in kürzester Zeit ein Wechsel der Bühnendekorationen zu erfolgen hat, wodurch zusätzliche hohe physische und psychische Beanspruchungen auftreten. Zur optischen Gestaltung des Bühnenbereichs werden Kulissen, Bodentücher und Rückwandprospekte eingesetzt. Die Kulissen bestehen aus Holzkonstruktionen mit den entsprechenden Aufbauten sowie Farbgestaltungen und haben eine Breite von ca. 2 - 4 m und eine Höhe von ca. 8 m. Die Dicke dieser Konstruktionen beträgt je nach plastischer Darstellung 20 - 40 cm.
Bei den Bodentüchern handelt es sich um Teppiche, Stoffe oder Folien zur optischen Gestaltung des Fußbodens der Bühne. Diese Bodentücher haben unterschiedliche Breiten, müssen aber letztlich einen Bühnenbereich von ca. 14 m abdecken.
Die Rückwandprospekte bestehen aus Stoff, der entsprechend den Erfordernissen bemalt ist und haben eine Abmessung von ca. 14 x 8 m.
Alle Transporte vom Lager zum Bühnenbereich werden muskulär durchgeführt, wobei überlegt wird, die festen Konstruktionen mit Hilfe von speziellen Gabelhandhubwagen zu verschieben, die ein Verschieben in jede beliebige Richtung ermöglichen. Die Teppiche und Bodentücher sowie die Rückwandprospekte werden aufgerollt bzw. sind an 14 m langen Holz- bzw. Stahlstäben befestigt und können auf diese aufgewickelt werden. Das Einlagern dieser Materialien erfolgt in eine doppelwandige Stellage von ca. 14 m Länge und einer Höhe von bis zu 6 m. Die Bodentücher werden aufgerollt und muskulär zum Lagerbereich transportiert und manuell in die jeweiligen Fachböden abgelegt bzw. herausgenommen. Die Rückwandprospekte können im Bühnenbereich vertikal mit Hilfe vorhandener elektrischer Hebezüge bewegt werden, wobei ihr horizontaler Transport zwischen Lager- und Bühnenbereich sowie das Einlagern, Herausnehmen und das Aufwickeln muskulär erfolgt. Wenn die Bodentücher bzw. Prospekte für den Vorstellungs- und Probebetrieb gebraucht werden, muss die eingeteilte technische Schicht von 6 - 7 Personen die ca. 15 m langen Rollen mit einem Gewicht von 100 - 120 kg über aufgestellte Leitern oder auch mit gespreizten Beinen über die linke und rechte Regaleinrichtung hochkletternd, transportieren. Das Prospekt- und Bodentuchlager ist ein Relikt aus den 50er Jahren, das Arbeitsbedingungen fordert, die in den Grenzbereichen der muskulären Beanspruchung liegen. Bezogen auf den behinderten Dekorateur treten somit Anforderungen auf, die im hohen Widerspruch zu den behinderungsbedingten Einschränkungen stehen.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe (Sollzustand):

Zur ergonomischen und behinderungsgerechten Gestaltung des Lagerbereichs für Teppiche, Bodentücher, Rückwandprospekte und stabartige Bühnenkonstruktionen, will das Stadttheater einen Paternosterschrank für Prospekte und Bodentücher anschaffen. Dadurch entstehen Lagerplätze mit einer Einzelzuladung von maximal 600 kg. Diese Lagerplätze sind in einem Umlaufsystem so angeordnet, dass der jeweilige Lagerort elektrisch in die untere Position gefahren werden kann, wo dann das Einlegen bzw. Herausnehmen der Bühnendekorationen in einer günstigen Arbeitshöhe erfolgt. Unter Nutzung der Hebezeuge im Bühnenbereich werden die aufgerollten Kulissenteile auf einen Transportwagen gehoben, auf Rädern vom Bühnenbereich zum Paternosterschrank transportiert und muskulär über die angepassten Höhen in den Fachbodenbereich des Paternosterregals abgelegt. Da es sich in der Regel um rollenartige Gebilde handelt, können die meisten dann rollend zwischen Fachboden und Transportwagen bewegt werden.

Der Arbeitsplatz wurde auch für zwei weitere schwerbehinderte Mitarbeiter gestaltet, die behinderungsbedingt Lasten manuell nur sehr eingeschränkt heben und tragen dürfen.

Eingesetzte Hilfsmittel - Anzeigen der Produkte:

ICF-Items

Assessments - Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • EFL - Gehen
  • EFL - Heben (Boden zur Taillenhöhe/Taillen- zur Kopfhöhe/horizontal)
  • EFL - Knien
  • EFL - Schweregrad der Arbeit (Last/Herzfrequenz)
  • EFL - Steigen (Leiter/Treppe)
  • EFL - Tragen (rechte, linke Hand/vorne)
  • EFL - wiederholte Kniebeugen
  • ERGOS - aktuelle tägliche Dauerleistungsfähigkeit (Last/Herzfrequenz)
  • ERGOS - Bücken
  • ERGOS - Hocken
  • ERGOS - Knien
  • ERGOS - Laufen (Gehen)
  • ERGOS - Reichen
  • ERGOS - statisches/dynamisches Heben
  • ERGOS - Tragen
  • ERGOS - Treppensteigen
  • IMBA - Arbeitszeit
  • IMBA - Armbewegungen
  • IMBA - Gehen/Steigen
  • IMBA - Geneigt/Gebückt
  • IMBA - Heben
  • IMBA - Knien/Hocken
  • IMBA - physische Ausdauer (Last/Herz-Lungensystem)
  • IMBA - Rumpfbewegungen (Bücken/Aufrichten)
  • IMBA - Tragen

Referenznummer:

R/PB4705


Informationsstand: 14.11.2008