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Praxisbeispiel
Arbeits­platz­gestaltung für einen Gießer

Wo lag die Herausforderung?

Der Mann hat eine Lungenerkrankung, weshalb er keinen starken klimatischen Belastungen ausgesetzt werden sollte und das Einatmen von Gas, Staub oder Dampf vermeiden sollte. Dafür waren an seinem Arbeitsplatz entsprechende Anpassungen nötig.

Was wurde gemacht?

Um dem Gießer Atemluft ohne zusätzlichen Atemwiderstand zuzuführen, wurde ein am Körper tragbares gebläseunterstütztes Atemschutzsystem mit Filter und Schutzhelm mit einer Klarsicht-Visiereinrichtung eingesetzt.

Schlagworte und weitere Informationen

Die behinderungsgerechte Gestaltung wurde vom Integrationsamt gefördert.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Tel.-Nummern der Integrationsämter.

Arbeitgeber:

Die Gießerei stellt mit ihren 323 Mitarbeitern Nichteisenmetall-Halbzeuge her.

Behinderung und Funktionseinschränkung des Mitarbeiters:

Der Mann hat eine Lungenerkrankung. Er sollte nicht für Tätigkeiten eingesetzt werden, die unter belastenden klimatischen (Hitze usw.) und schlechten Atembedingungen (Gas, Dampf oder Staub) ausgeführt werden müssen. Der GdB (Grad der Behinderung) beträgt 30. Der Mann wurde von der Arbeitsagentur mit schwerbehinderten Menschen gleichgestellt.

Ausbildung und Beruf:

Der Mann arbeitet als angelernter Gießer beim Arbeitgeber.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe (Istzustand):

1. Schmelzen und Reinigen
- nach Rezept zusammengestellte Bestandteile vom Rüttler in den Schmelzofen befördern
- Durchrühren
- Proben ziehen
- Abschäumen, Schlacke von Badoberfläche entfernen
- falls notwendig, Schmelze mit Metallen korrigieren
- Übergießen
- Krätzen, Schlacke abschäumen und mit Abdeckmitteln versehen
- Probe ziehen und falls notwendig korrigieren
- Rinne von Krätze, Metall und Oxyden reinigen
- Ofen einmal wöchentlich mit Lufthammer aushauen
2. Gießen horizontal und Reinigen
- Bolzen mit Stapler oder Kran entnehmen, Wiegen und Ablegen
- Kontrolle der Abziehbedingungen
- Kontrolle der Bolzentemperaturüberwachung
- Rinne säubern
- einmal wöchentlich Ofen mit dem Lufthammer aushauen
3. Gießen vertikal und Reinigen
- Einguss vom Schmelzofen überwachen
- Trichter, Rinnen, Gießdüse säubern und warmlegen
- Proben nehmen, korrigieren und abkratzen
- Gießbedingungen einstellen und kontrollieren
- nach Anguss Trichter und Abdeckmittel versehen
- Guss mit Ruß oder Abdeckmittel (Salz) abdecken
- Bolzen entnehmen, Wiegen und Ablegen
- Kokille von Rückständen nach dem Gießen mit Drahtbürste reinigen
- Rinnen und Trichter säubern für nächsten Guss
- einmal wöchentlich Ofen mit Lufthammer aushauen
- Übergießrinne säubern
- Im Bedarfsfall Brunnen reinigen

Einen Teil der Tätigkeiten kann der Gießer von einer Steuerkabine aus erledigen. Bei dem größten Teil der Arbeiten ist er aber einer direkten Hitzestrahlung und einer Gas- sowie Staubbelastung ausgesetzt. Die Arbeitsbereiche des Gießers sind mit, auf das Verfahren abgestimmten, Absauganlagen ausgestattet. Es lässt sich aber nicht vermeiden, dass die Arbeitsperson trotzdem punktuell einer Gas- und Staubbelastung ausgesetzt wird. Vom Arbeitgeber werden deshalb zusätzlich entsprechende Schutzeinrichtungen wie Staubmaske, Hitzeschutzmantel und Handschuhe zur Verfügung gestellt. Wegen der bei dem Gießer vorliegenden Lungenerkrankung sind persönliche Schutzeinrichtungen, die einen erhöhten Atemwiderstand verursachen, nicht geeignet.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe (Sollzustand):

Um dem Gießer Atemluft ohne zusätzlichen Atemwiderstand zuzuführen, wurde ein am Körper tragbares gebläseunterstütztes Atemschutzsystem mit Filter und Schutzhelm mit einer Klarsicht-Visiereinrichtung eingesetzt. Das gebläseunterstützte Atemschutzsystem besteht aus einer Antriebseinheit mit wechselbaren Filtern, welches hinter dem Körper am Gürtel getragen wird. Die durch das Atemschutzsystem aufbereitete Luft gelangt über einen hochflexiblen Schlauch von hinten in den Schutzhelm. Dort wird sie durch ein Leitungssystem über den Kopf geführt und tritt aus einer Düse als Luftschleier im Stirnbereich wieder aus. Die Luft strömt dann über das Gesicht und tritt je nach Ausstattung des Schutzhelmes nach allen Seiten oder nur nach unten wieder aus. Das Atemschutzsystem ist mit einer Akku-Stromversorgung ausgestattet, so dass die Arbeitsperson sich frei bewegen kann. Über ein entsprechendes Gurtsystem kann das Atemschutzsystem außerhalb des Hitzeschutzmantels getragen werden.

Eingesetzte Hilfsmittel - Anzeigen der Produkte:

ICF-Items

Assessments - Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • EFL - Schweregrad der Arbeit (Last/Herzfrequenz)
  • ERGOS - aktuelle tägliche Dauerleistungsfähigkeit (Last/Herzfrequenz)
  • IMBA - Arbeitssicherheit
  • IMBA - Arbeitszeit
  • IMBA - Flüssigkeiten/Feststoffe
  • IMBA - Gase/Dämpfe/Stäube
  • IMBA - Klima
  • IMBA - physische Ausdauer (Last/Herz-Lungensystem)
  • IMBA - Tragen von Arbeitsschutzmitteln

Referenznummer:

R/PB4740


Informationsstand: 10.04.2017