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Praxisbeispiel
Oberarzt in einem Krankenhaus

Wo lag die Herausforderung?

Der Mann hat nach einem privaten Unfall eine Querschnittlähmung und ist auf die Benutzung eines Rollstuhls angewiesen. Bedingt durch die Einschränkungen in seinem Greifraum durch die Rollstuhlnutzung, konnte der Arzt bestimmte Tätigkeiten, wie Operationen, nicht durchführen.

Was wurde gemacht?

Nach der medizinischen Erstversorgung wurde der Arzt in eine Reha-Klinik überstellt. Dort erlernte er auch lebenspraktische Fertigkeiten zur Ausübung von alltäglichen Aktivitäten, u. a. die Nutzung des Rollstuhls.
Die Klinik erreicht er mit seinem umgebauten Kfz
oder Handbike. Für Operationen nutzt er einen elektrischen Stehrollstuhl und sonst einen Greifreifenrollstuhl mit dem er mobil in der Klinik unterwegs ist und den er auch an seinem höhenverstellbaren Schreibtisch im Büro für Verwaltungsarbeiten nutzen kann.

Schlagworte und weitere Informationen

Die Kosten für die Hilfsmittel zur Arbeitsgestaltung wurden vom Arbeitgeber getragen. Alternativ wäre auch das Integrations- bzw. Inklusionsamt als Fördereinrichtung in Frage gekommen. Die Kosten für das behinderungsgerechte Kfz und die Anschaffung des Handbikes hat der Arzt selbst getragen.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Tel.-Nummern der Integrations- bzw. Inklusionsämter.

Unternehmen:

Das Unternehmen ist ein berufsgenossenschaftliches Klinikum. Als überregionales Traumazentrum ist es spezialisiert auf Unfall-, Schwerstbrand- und Wirbelsäulenverletzte.

Behinderung und Funktionseinschränkung des Mitarbeiters:

Der Mann ist nach einem privaten Unfall querschnittsgelähmt. Nach der medizinischen Erstversorgung in einem Unfallkrankenhaus wurde der Arzt zur medizinischen Rehabilitation in eine Reha-Klinik überstellt. Beim Aufenthalt in der Reha-Klinik erlernte er lebenspraktische Fertigkeiten zur Ausübung von alltäglichen Aktivitäten. Dies schließt den Umgang mit dem Rollstuhl und die Bewältigung von Barrieren im Rahmen eines Mobilitätstrainings, sowie die schrittweise Wiedererlangung eines gewissen Grades der Selbstständigkeit ein. Der Arzt ist auf die ständige Benutzung eines Rollstuhls angewiesen und sein Greifraum ist eingeschränkt. Der GdB (Grad der Behinderung) beträgt 100.

Ausbildung und Beruf:

Der Mann hat Medizin studiert und verunfallte während seiner Ausbildung zum Facharzt - konnte jedoch seine Ausbildung nach der Reha-Klinik abschließen. Er arbeitet mittlerweile als Oberarzt auf dem Gebiet der Rückenmarkverletzungen und Orthopädie beim berufsgenossenschaftlichen Klinikum.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe:

Je nach Tätigkeit (Patientenuntersuchungen oder Operationen) stehen dem Oberarzt verschiedene Rollstühle, zur Fortbewegung sowie zum Ausgleich des eingeschränkten Greifraumes, zur Verfügung. Vor einer Operation muss er sich vom Greifreifenrollstuhl in einen Elektrorollstuhl mit Aufrichtfunktion umsetzen. Bevor er die Aufrichtfunktion des
Rollstuhls über einen runden Schalter an der Armlehne mit den Ellenbogen aktiviert, legt er einen 'Stützbalken' an den Knien und einen Gurt vor der Brust an. Das Gewicht des Körpers wird dabei in stehender Körperhaltung durch den 'Stützbalken' an den Knien und dem Gurt vor der Brust gehalten. In aufgerichteter Körperhaltung fährt der Oberarzt nun mit dem Elektrorollstuhl zum Waschbecken, um sich die Hände für eine anstehende Operation zu desinfizieren. Danach fährt er in dieser Position in den Operationssaal.
Ansonsten bewegt der Oberarzt sich im Krankenhaus mit einem Greifreifenrollstuhl fort, den er auch in seinem Arbeitszimmer an einem unterfahrbaren höhenverstellbaren Arbeitstisch einsetzen kann. Dort erledigt er die anfallenden Verwaltungs- und Schreibarbeiten am Computer.

Arbeitsorganisation:

Im Operationsbetrieb benötigt der Oberarzt keine zusätzlichen Pausen und benutzt in dieser Zeit einen Urinbeutel. Es sind nicht alle Operationen aufgrund des Stehrollstuhls und der dadurch eingeschränkten Haltung ausführbar - dies wird entsprechend bei der Operations- und Personalplanung berücksichtigt. Der anfallende Bereitschaftsdienst, (z. B. auftretenden Komplikationen oder Konsultationen) wird von Kolleginnen und Kollegen übernommen, um zusätzliche Anfahrten bzw. Belastungen durch den Arbeitsweg zu vermeiden.

Arbeitsumgebung - Mobilität:

Die Klinik erreicht der Arzt mit einem Handbike oder mit dem auf Handbetrieb (Gas und Bremse) umgebauten Pkw mit Automatikgetriebe, den er auf einem ausgewiesenen Parkplatz in der Tiefgarage abstellen kann. Für das Führen des Autos wurden entsprechende Auflagen von der Führerscheinstelle und dem TÜV gemacht. Vom Parkplatz erreicht er seinen Arbeitsplatz über einen Aufzug. Die öffentlichen Verkehrsmittel sind weniger für eine Anfahrt geeignet, da keine optimale Verbindung besteht. Für den äußersten Fall könnte der Arzt auch auf einen Fahrdienst zurückgreifen. Die Klinik ist grundsätzlich barrierefrei gestaltet.
In REHADAT finden Sie auch Informationen zu den Themen Führerschein und Fahrerlaubnisverordnung sowie Fahrschulen für Menschen mit Behinderungen.

Eingesetzte Hilfsmittel - Anzeigen der Produkte:

ICF-Items

Assessments - Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • EFL - Gehen
  • EFL - Schweregrad der Arbeit (Last/Herzfrequenz)
  • EFL - Stehen (längeres/vorgeneigt/Rotation)
  • ERGOS - aktuelle tägliche Dauerleistungsfähigkeit (Last/Herzfrequenz)
  • ERGOS - Laufen (Gehen)
  • ERGOS - Reichen
  • ERGOS - Stehen
  • IMBA - Arbeitszeit
  • IMBA - Armbewegungen
  • IMBA - Gehen/Steigen
  • IMBA - physische Ausdauer (Last/Herz-Lungensystem)
  • IMBA - Stehen

Referenznummer:

Pb/110911


Informationsstand: 05.05.2021