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Praxisbeispiel
Arbeits­platz­gestaltung für zwei Mitarbeiter in einer Buchbinderei

Wo lag die Herausforderung?

Behinderungsbedingt können beide Mitarbeiter keine akustischen Informationen wahrnehmen. Hörbare Informationen müssen also für beide Mitarbeiter so verändert werden, dass sie durch andere Sinne wahrgenommen werden können. Zusätzlich dazu, kann einer der beiden Mitarbeiter behinderungsbedingt keine schweren Lasten tragen. Deswegen war eine entsprechende Anpassung des Arbeitsplatzes nötig.

Was wurde gemacht?

Da Fehlermeldungen bisher nur akustisch angezeigt wurden, wurde eine neue Maschine angeschafft. Diese gibt bei einem Fehler sowohl ein akustisches als auch ein optisches Zeichen. Außerdem entfällt das Tragen der Lasten, da alle Produktionsschritte nun von einer Maschine ausgeführt werden.

Schlagworte und weitere Informationen

Die behinderungsgerechte Gestaltung wurde vom Integrations- bzw. Inklusionsamt zu 35 Prozent gefördert. Die Beratung erfolgte durch den Technischen Beratungsdienst des Integrations- bzw. Inklusionsamtes.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Tel.-Nummern der Integrations- bzw. Inklusionsämter.

Arbeitgeber:

Der Arbeitgeber ist eine Buchbinderei.

Behinderung und Funktionseinschränkung der Mitarbeiter:

1. Mitarbeiter
Der Mann ist gehörlos. Er ist nicht fähig akustische Informationen, z. B. Lautsprache und Signale, wahrzunehmen. Behinderungsbedingt müssen deshalb hörbare Informationen so verändert werden, dass sie von dem Mann optisch oder taktil wahrgenommen werden können. Der GdB (Grad der Behinderung) beträgt 100. Der Schwerbehindertenausweis trägt das Merkzeichen RF.

2. Mitarbeiter
Der Mann ist gehörlos und gehbehindert. Er ist, bedingt durch die Gehbehinderung, nur eingeschränkt fähig schwere Lasten manuell zu tragen bzw. transportieren.

Beruf:

Die beiden Männer arbeiten als Buchbinder bei ihrem Arbeitgeber.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe:

Die Buchbinder arbeiten in der Werkstatt des Unternehmens. Dort bedienen sie u. a. auch einen Falzautomaten sowie eine Schneid- und Heftmaschine zum Binden der Zeitschriften und Bücher. Dabei werden die einzelnen DIN A-4-Papierstapel von 5 cm Höhe manuell in die einzelnen Fächer der 15 Stationen umfassenden Falzanlage gelegt. Danach werden jeweils die einzelnen Blätter automatisch angesaugt und aufeinandergelegt. Gleichzeitig werden die Blätter vom Falzautomaten sortiert. Bei einem Fehlblatt schaltet sich die Anlage automatisch ab. Das Ansaugen von Doppelblättern ist nur akustisch wahrzunehmen (Veränderung des Ansaugluftstromes). In solchen Fällen muss die Maschine von Hand abgeschaltet und die Störung beseitigt werden. Danach werden die Papiere an separaten Maschinen auf Maß geschnitten und geheftet. Der dabei erforderliche Transportvorgang erfolgt manuell unter Einsatz von Paletten und Hubwagen. Im Wesentlichen ist ein Mitarbeiter, neben der Maschinenüberwachung, mit Materialzuführungsarbeiten und der andere Mitarbeiter mit dem Schneiden und Falzen sowie mit Materialabgangsarbeiten beschäftigt. Von einem Mitarbeiter sind pro Arbeitstag ungefähr zwei Tonnen Papier zu handhaben.
Die Arbeitssituation ist mit den Funktionseinschränkungen der beiden Mitarbeiter nicht vereinbar, da sie die Störungen am Falzautomaten akustisch nicht wahrnehmen können und im erheblichen Umfang Lasten transportieren bzw. handhaben müssen.

Damit die beiden Mitarbeiter behinderungsgerecht arbeiten können, ist der Einsatz einer vollautomatischen Zusammentragmaschine mit integriertem Heft-Falz-Automat und Schneidaggregat erforderlich. Bei eventuellen Störungen schaltet sich der Automat automatisch ab und zeigt diesen Zustand akustisch und auch optisch durch ein Warnsignal an, wobei dies optisch durch eine Signal-Leuchte passiert.
Beim Ansaugen von Doppelblättern wird der komplette Satz über eine Weiche abgesondert. Die 15 Stationen der Fertigungslinie sind mit Stapelwagen ausgestattet. Durch die integrierte Heft-, Falz- und Schneideeinheit entfallen die nach dem Zusammentragen erforderlichen und belastenden Transportarbeiten.

ICF-Items

Assessments - Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • EFL - Gehen
  • EFL - Schweregrad der Arbeit (Last/Herzfrequenz)
  • EFL - Tragen (rechte, linke Hand/vorne)
  • ERGOS - aktuelle tägliche Dauerleistungsfähigkeit (Last/Herzfrequenz)
  • ERGOS - Hören
  • ERGOS - Laufen (Gehen)
  • ERGOS - Tragen
  • IMBA - Arbeitssicherheit
  • IMBA - Arbeitszeit
  • IMBA - Gehen/Steigen
  • IMBA - Hören
  • IMBA - physische Ausdauer (Last/Herz-Lungensystem)
  • IMBA - Tragen

Referenznummer:

R/PB1348


Informationsstand: 10.10.2019