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Praxisbeispiel
Arbeits­platz­gestaltung für einen Gabelstaplerfahrer

Wo lag die Herausforderung?

Der Mann kann behinderungsbedingt nicht mehr gut sehen und sein Greifraum ist eingeschränkt. Außerdem kann der Mann nicht mehr selbst schwer Heben sowie Tragen. Der Mann musste einen geeigneten Arbeitsplatz finden.

Was wurde gemacht?

Der Mann wurde vom Modelltischler zum Handelsfachpacker umgeschult. Nach einem halben Jahr der Arbeitslosigkeit, stellte ihn sein jetziger Arbeitgeber als Lagerarbeiter und Gabelstaplerfahrer ein. Dem Mann wurde dort ein spezieller Gabelstapler zur Verfügung gestellt, welcher mit behinderungsgerechtem Zubehör ausgestattet wurde. Das Zubehör sorgt dafür, dass der Mann trotz Behinderung effektiv und belastungsfrei arbeiten kann.

Schlagworte und weitere Informationen

Die Arbeitsplatzgestaltung wurde vom Integrations- bzw. Inklusionsamt zu 50% gefördert. Die Beratung erfolgte durch den Ingenieur-Fachdienst des Integrations- bzw. Inklusionsamtes - dem sog. Technischen Beratungsdienst. Die Wiedereingliederung des schwerbehinderten Mannes in das Arbeitsleben wurde von der Arbeitsagentur, durch die Gewährung eines Eingliederungs- bzw. Lohnkostenzuschusses für zwei Jahre, in Höhe von 70% gefördert.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Tel.- Nummern der Integrations- bzw. Inklusionsämter und Arbeitsagenturen.

Arbeitgeber:

Das Unternehmen ist ein mittelständischer Zulieferer für die Automobilindustrie.

Behinderung und Funktionseinschränkung des Mitarbeiters:

Der Mann hatte vor einigen Jahren einen schweren Verkehrsunfall. Durch den Unfall kam es zu einer Armbehinderung, einer hochgradigen Sehbehinderung am rechten Auge und einer Zwangshaltung des Kopfes durch eine Lähmung. Behinderungsbedingt kommt es zu einer Einschränkung beim Sehen und Greifen (Greifraum). Außerdem kann der Mann nicht mehr für das manuelle Handhaben und Tragen von Lasten eingesetzt werden.

Ausbildung und Beruf:

Der Mitarbeiter hat den Beruf des Modelltischlers erlernt, wurde jedoch später aufgrund der vorliegenden Behinderungen zum Handelsfachpacker umgeschult. Zuletzt hat er im Ausbaugewerbe als Trockenbauer gearbeitet. 1/2 Jahr war er arbeitslos bis er von seinem jetzigen Arbeitgeber als Lagerarbeiter und Gabelstaplerfahrer neu eingestellt wurde.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe:

Der Lagerarbeiter ist für das Ein- und Auslagern des Rohmaterials, der Zukaufteile, der Halbfertigwaren sowie der Fertigteile zuständig. Für die Lagerung stehen über den gesamten Betrieb verteilt umfangreiche Palettenregalanlagen mit Lagerhöhen bis zu 5 m zur Verfügung. Außerdem umfasst der Aufgabenbereich des Mitarbeiters die Be- und Entladung der LKW.
Aufgrund der sehr hohen Seheinschränkung des rechten Auges, der Kopfzwangshaltung und der Funktionseinschränkung der rechten Hand, kann der Mitarbeiter die vorhandenen konventionellen Gabelstapler nicht nutzen. Benötigt wurde daher ein Gabelstapler mit ergonomisch besonders gut gestaltetem verstellbarem Bedienfeld, sehr leichtgängiger Lenkung, einem ergonomischen Schwingsitz, elektronischer Höhenanzeige, kippbarer Fahrerkabine und Seitenschieber.
Die elektronische Höhenanzeige, im Zusammenhang mit der kippbaren Kabine, erleichtert dem Mitarbeiter das Ein- und Auslagern in großen Höhen, das ihm wegen des Verlusts des räumlichen Sehens bisher schwer fiel. Während des Hubvorgangs ist lediglich das im Blickfeld liegende Display für die Höhenanzeige zu beobachten, der Hubvorgang erfolgt automatisch. Auch das eigentliche Einschieben der Palette in das Regalfach kann in ergonomisch günstiger Körperhaltung ohne Kopfverrenkungen beobachtet werden, da die gesamte Fahrerkabine nach einer frei einprogrammierbaren Hubhöhe selbsttätig um 15 Grad nach hinten geneigt wird. Die zusätzliche Ausstattung des Staplers mit einem Seitenschieber macht umständliches Rangieren unnötig. Durch die Betätigung eines Steuerventils können die Gabeln mit der Last leicht nach rechts oder links in die exakte Position verschoben werden. Das für den Mitarbeiter besonders schwierige genaue Anfahren der Lagerposition ist so nicht erforderlich.
Durch die sehr spezielle Ausstattung des angeschafften Staplers werden die Fähigkeitseinschränkungen des Mitarbeiters ausgeglichen.

Arbeitsschutz:

Der Mitarbeiter ist im Besitz eines Gabelstaplerführerscheins (Befähigungsnachweis zum Führen von Flurförderzeugen) und hat die notwendigen arbeitsmedizinischen Untersuchungen durch den Betriebsarzt mitgemacht. Auch das Ergebnis einer Gefährdungsbeurteilung sprach für den Einsatz als Gabelstaplerfahrer im Unternehmen.

Eingesetzte Hilfsmittel - Anzeigen der Produkte:

Schlagworte

ICF-Items

Assessments - Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • EFL - Handkoordination (rechts/links)
  • EFL - Handumwendebewegungen (rechts/links)
  • EFL - Heben (Boden zur Taillenhöhe/Taillen- zur Kopfhöhe/horizontal)
  • EFL - Schweregrad der Arbeit (Last/Herzfrequenz)
  • EFL - Tragen (rechte, linke Hand/vorne)
  • ERGOS - aktuelle tägliche Dauerleistungsfähigkeit (Last/Herzfrequenz)
  • ERGOS - Dreipunktgriff
  • ERGOS - Fingergeschicklichkeit
  • ERGOS - Handgeschicklichkeit
  • ERGOS - Handgreifkraft
  • ERGOS - Reichen
  • ERGOS - Schlüsselgreifkraft
  • ERGOS - Sehen
  • ERGOS - statisches/dynamisches Heben
  • ERGOS - Tragen
  • IMBA - Arbeitssicherheit
  • IMBA - Arbeitszeit
  • IMBA - Armbewegungen
  • IMBA - Feinmotorik (Hand- und Fingergeschicklichkeit)
  • IMBA - Hand-/Fingerbewegungen
  • IMBA - Heben
  • IMBA - Kopf-/Halsbewegungen
  • IMBA - physische Ausdauer (Last/Herz-Lungensystem)
  • IMBA - Sehen
  • IMBA - Sehen (Gesichtsfeld/Räumliches Sehen)
  • IMBA - Tragen
  • IMBA - Unfallgefährdung
  • MELBA - Feinmotorik

Referenznummer:

R/PB4208


Informationsstand: 17.05.2018