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Praxisbeispiel
Hilfsmittel und Beschäftigungssicherungs-Zuschuss für Zusteller bei der Deutschen Post DHL Group

Es gibt 3 Abbildungen zu diesem Praxisbeispiel:

  1. Zustellwagen|(p542402)Zustellwagen|(p542403)Zustellwagen
  2. Zustellwagen|(p542402)Zustellwagen|(p542403)Zustellwagen
  3. Zustellwagen|(p542402)Zustellwagen|(p542403)Zustellwagen

Unternehmen:

Deutsche Post DHL Group ist ein weltweit tätiges Unternehmen für Logistik und Briefkommunikation mit rund 570.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in über 220 Ländern.
Zur Deutschen Post DHL Group gehören dabei die Deutsche Post - als europaweit agierendes postdienstleistendes Unternehmen und DHL - als weltweit tätiges Unternehmen in den Bereichen internationaler Expressversand, Frachttransport, E-Commerce und Supply-Chain-Management.
Das Unternehmen leistet u. a. mit verantwortungsvollem Handeln, gezielten Umweltschutzmaßnahmen und Corporate Citizenship einen positiven Beitrag für die Umwelt und Gesellschaft.

Behinderung und Funktionseinschränkung der ersten Mitarbeiterin:

Eine langjährige starke Belastung der Wirbelsäule führte bei der Mitarbeiterin zu einer Bandscheibenerkrankung, die operativ behandelt wurde. Die Frau sollte deshalb nicht für körperlich anstrengende Hebe- oder Tragearbeiten eingesetzt werden. Der GdB (Grad der Behinderung) beträgt 30. Die Frau wurde von der Arbeitsagentur Personen mit Schwerbehinderung gleichgestellt.

Ausbildung und Beruf:

Die Mitarbeiterin absolvierte eine Ausbildung zur Verkäuferin im Einzelhandel, bevor sie vor einigen Jahren zum Arbeitgeber wechselte. In einer internen Schulung wurde Sie als Zustellerin angelernt und arbeitet seit dem im Zustelldienst für Briefe.

Behinderung und Funktionseinschränkung der zweiten Mitarbeiterin:

Die Frau hat ebenfalls eine Rückenerkrankung. Bei ihr hat sich im Laufe der Jahre eine Fehlhaltung der Wirbelsäule ausgebildet. Auch Sie sollte nicht für schwere sowie häufige Hebe- und Tragarbeiten eingesetzt werden. Ihr GdB beträgt 30 und auch sie ist mit Personen mit Schwerbehinderung gleichgestellt.

Ausbildung und Beruf:

Die Frau absolvierte nach dem Schulabschluss eine Ausbildung zur Dekorationsfachverkäuferin. Sie wechselte vor einigen Jahren zum Arbeitgeber und wurde als Zustellerin für Briefe angelernt.

Behinderung und Funktionseinschränkung des dritten Mitarbeiters:

Dem Mitarbeiter fehlen von Geburt an mehrere Finger an der linken und rechten Hand. Durch die Gliedmaßenfehlbildung (Dysmelie) kommt es zu Einschränkungen beim Handhaben und Transportieren von Gegenständen. Der GdB beträgt 80.

Ausbildung und Beruf:

Der Mitarbeiter ist seit vielen Jahren beim Arbeitgeber beschäftigt. Direkt nach der Schule absolvierte er eine Ausbildung zur Dienstleistungsfachkraft (Fachkraft für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen) im Unternehmen und arbeitete anschließend im Innendienst an einem Schalter in einer Filiale. Umstrukturierungsprozesse im Unternehmen machten einen Wechsel vom Schalter in den Zustelldienst erforderlich.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe (Istzustand):

Die drei Zusteller befüllen morgens im Zustellstützpunkt ihre Handkarren bzw. Zustellwagen mit den täglichen Sendungen (z. B. Briefe) für ihren Bezirk (entsprechend der Gangfolge) und liefern diese Sendungen anschließend zu Fuß aus. Eine beladene Handkarre besitzt ein hohes Gesamtgewicht und kann trotz des Schiebens, grade bei hohen Bordsteinkanten oder im bergigen Bereich, zu einer starken Belastung des Herz-Kreislaufsystems und besonders des Bewegungsapparates führen.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe (Sollzustand):

Durch den Einsatz neuer elektromotorisch angetriebener Zustellwagen (Bild 1), konnte die körperliche Belastung der Mitarbeiter stark reduziert werden. Die neuen Zustellwagen können bis zu 150 kg Nutzlast (Sendungen) transportieren und lassen sich, durch den Hilfsmotor und das Berühren der beiden Sensorgriffe, einfach lenken bzw. leicht handhaben. Ein Kippschutz verhindert zusätzlich, dass der Zustellwagen umfällt. Die beschriebenen Arbeitsplätze gehören zu der Niederlassung Brief Dortmund.

Weitere Arbeitsplätze wurden ebenfalls in den folgenden Niederlassungen zur behinderungsgerechten Gestaltung mit einem elektromotorisch angetriebenen Zustellwagen ausgestattet:
- BRIEF Essen (für zwei Zusteller mit einer verringerten körperlichen Belastbarkeit)
- BRIEF Berlin Nord (für eine Zustellerin mit einer Armbehinderung, einen Kollegen mit einer Wirbelsäulenerkrankung und eine Zustellerin mit geschädigtem Bewegungsapparat)
- BRIEF Herford (für einen Zusteller mit nur einem Arm und einen Zusteller mit einer spastischen Halbseitenschwäche sowie einer Beinverkürzung)
- BRIEF Augsburg (für eine Zustellerin mit einer Spastik in den Armen und Beinen)
- BRIEF Bayreuth (für einen Zusteller mit Gleichstellung und einer Hüftgelenkschädigung und einen Zusteller mit Gleichstellung und einer Armbehinderung)
Speziell wurde beispielsweise in der Niederlassung BRIEF Herford mit einem externen Unternehmen ein elektromotorischer Zustellwagen für den einhändigen Mitarbeiter (Bild 2) und ein weiterer für den Mitarbeiter mit der spastischen Halbseitenschwäche (Bild 3) entwickelt. Die vorgenommenen Anpassungen ermöglichen eine leichte Handhabung des Zustellwagens und Betätigung der im eingeschränkten Greifraum installierten Bedienelemente, z. B. zur Steuerung der Lenkung, des Elektromotors und der Bremse (elektrische Wegfahrsperre, Magnetbremse durch das Loslassen des Sicherheitsgriffes und Fußbremse).

Arbeitsorganisation:

Behinderungsbedingt wurde das Arbeitsvolumen für zwei der drei Beschäftigten um 10% reduziert. Das Arbeitsvolumen reicht dabei beispielsweise für 34 Arbeitsstunden - bei einer Wochenarbeitszeit von durchschnittlich 38,5 Stunden. Die Reduzierung des Arbeitsvolumens wurde vom Integrationsamt als außergewöhnliche Belastung für den Arbeitgeber (als Minderleistung) anerkannt.
In der Niederlassung Brief Essen wurde ebenfalls das Arbeitsvolumen für eine ausgebildete Fachkraft für Brief- und Frachtverkehr mit einer Schwerbehinderung und einer eingeschränkten körperlichen Belastbarkeit reduziert und als außergewöhnliche Belastung vom Integrationsamt anerkannt, da mit Hilfsmitteln die Minderleistung nicht ausgeglichen werden kann.

Schlagworte und weitere Informationen

Die elektrisch angetriebenen Zustellwagen wurden vom Integrations- bzw. Inklusionsamt gefördert. Die Förderung bzw. Bezuschussung lag dabei zwischen 50 und 100 Prozent. Im Fall der Niederlassung BRIEF Bayreuth wurde ein Zustellwagen von der Unfallkasse Post und Telekom gefördert, da ein Arbeitsunfall zur Behinderung des Mitarbeiters führte. Zusätzlich erhält der Arbeitgeber, bedingt durch die anerkannte außergewöhnliche Belastung, für zwei der Beschäftigten einen Beschäftigungssicherungszuschuss von 20 Prozent des Lohns vom Integrations- bzw. Inklusionsamt. Die Bewilligung bzw. Zahlung des Beschäftigungssicherungszuschusses ist befristet auf maximal zwei Jahre und kann danach auf Antrag verlängert werden. Die Zahlung erfolgt in der Regel für einen gewissen Zeitraum (z. B. viertel- oder halbjährlich) rückwirkend und nach Vorlage von Unterlagen (Beschäftigungsnachweis bzw. Gehaltsabrechnung) zum bestehenden Beschäftigungsverhältnis. Der Kontakt zum Integrations- bzw. Inklusionsamt und die Koordination der Maßnahme erfolgten über den Inklusionsbeauftragten des Arbeitgebers und die Mitglieder des Inklusionsteams (z. B. Schwerbehindertenvertretung) der Niederlassung. Auf diese Weise konnten die Arbeitsplätze dauerhaft gesichert werden.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Tel.-Nr. der Integrations- bzw. Inklusionsämter.

Schlagworte

ICF-Items

Assessments - Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • EFL - Gehen
  • EFL - Gleichgewicht
  • EFL - Handkoordination (rechts/links)
  • EFL - Handumwendebewegungen (rechts/links)
  • EFL - Schweregrad der Arbeit (Last/Herzfrequenz)
  • EFL - Tragen (rechte, linke Hand/vorne)
  • ERGOS - aktuelle tägliche Dauerleistungsfähigkeit (Last/Herzfrequenz)
  • ERGOS - Bücken
  • ERGOS - Dreipunktgriff
  • ERGOS - Fingergeschicklichkeit
  • ERGOS - Gleichgewicht halten
  • ERGOS - Handgeschicklichkeit
  • ERGOS - Handgreifkraft
  • ERGOS - Laufen (Gehen)
  • ERGOS - Reichen
  • ERGOS - Schlüsselgreifkraft
  • ERGOS - Tragen
  • IMBA - Arbeitszeit
  • IMBA - Armbewegungen
  • IMBA - Feinmotorik (Hand- und Fingergeschicklichkeit)
  • IMBA - Gehen/Steigen
  • IMBA - Geneigt/Gebückt
  • IMBA - Gleichgewicht
  • IMBA - Hand-/Fingerbewegungen
  • IMBA - physische Ausdauer (Last/Herz-Lungensystem)
  • IMBA - Rumpfbewegungen (Bücken/Aufrichten)
  • IMBA - Tragen
  • MELBA - Feinmotorik

Referenznummer:

R/PB5424


Informationsstand: 29.05.2018