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Angaben zum Praxisbeispiel

Arbeitsgestaltung und Mobilitätshilfe für einen beratenden Ingenieur mit Multipler Sklerose und Rückenmarksschädigung im Bauwesen

Arbeitgeber:

Der Mann ist Unternehmer und freier Sachverständiger im Bereich des Bauwesens.

Behinderung und Funktionseinschränkung:

Der Unternehmer ist an Multipler Sklerose (MS) und einem Bandscheibenschaden, der zu einer Spinalkanalstenose bzw. Einengung des Wirbelkanals der Halswirbelsäule mit Schädigung des Rückenmarks führt, erkrankt. Behinderungsbedingt kommt es zu Lähmungserscheinungen im Schulter-/Arm- und Beinbereich und somit auch zu einer Minderung der Arm-, Bein- und Rückenmuskulatur. Das Gehvermögen und die Hals-, Arm- / Handbewegungen sind eingeschränkt und er ist auf die Nutzung von Hilfsmitteln, u. a. auf die Verwendung eines Elektrorollstuhls, angewiesen - wobei er noch unter sehr großer Anstrengung gestützt kurzzeitig stehen und unsicher wenige Schritte auf ebener Fläche gehen kann. Der GdB (Grad der Behinderung) beträgt 80. Der Schwerbehindertenausweis beinhaltet die Merkzeichen B, G, H und aG.

Ausbildung und Beruf:

Der Mann ist Diplomingenieur und studierte Wirtschaftsingenieur- und Bauwesen an einer Technischen Universität. Nach seiner Tätigkeit bei verschiedenen Unternehmen aus der Bauwirtschaft arbeitet er nun als selbstständiger beratender Ingenieur und Sachverständiger. Als beratender Ingenieur unterstützt er die Planung und Projektleitung von vorwiegend Hochbauprojekten, wie Logistik- und Hotelprojekte und als Sachverständiger ist er im Rahmen der Begutachtung auf dem Gebiet Baubetrieb und Bauwirtschaft tätig.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe:

Der Ingenieur arbeitet in seinem Firmen-Büro und auf den Baustellen der Kunden, wo er beispielsweise Daten zur Projektplanung / -steuerung ermittelt und anschließend die Betreuung vor Ort übernimmt. Das Firmen-Büro befindet sich in seiner Wohnung und ist mit:
- einem höhenverstellbaren Schreibtisch,
- einem Bürostuhl mit geteilter Rückenlehne sowie Nackenstütze,
- einem PC mit Touch-Monitor, spezieller Maus sowie Kompakttastatur bzw. Kleinfeldtastatur,
- Drucker,
- Laptop usw.
ausgestattet.
Zum Ausgleich der motorischen Einschränkungen und der Vermeidung von einseitigen Belastungen kann der Computer und die Software über die Kompakttastatur und alternativ auch durch den Touch-Monitor per Fingerberührungen auf dem Display, eine Rollstangenmaus und / oder per Spracheingabe mittels Headset bzw. Spracherkennung bedient werden.
Die Bedienung der Rollstangenmaus erfolgt dabei im Wesentlichen über Drehen und seitliches Verschieben einer Stange. Die Rollstangenmaus wird dazu vor der Kompakttastatur platziert. Zur vereinfachten manuellen Eingabe wird eine Kompakttastatur mit abgesenkten Tasten eingesetzt.
Zur Bildschirmarbeit in seinem Büro setzt er in der Regel vom Elektrorollstuhl auf den Bürostuhl um.

Arbeitsumgebung - Mobilität:

Wenn sich die zu betreuende Baustelle nahe der Wohnung des Mannes befindet, kann er die Strecke mit seinem Elektrorollstuhl, den er mittels Joystick steuert, zurücklegen. Projekte die weiter entfernt sind können jedoch nicht mit dem Elektrorollstuhl erreicht werden. Daher wurde der Ingenieur meist von seiner Ehefrau im privaten Kfz zu seinen deutschlandweiten Terminen gefahren. Der Elektrorollstuhl passte allerdings nicht in das Fahrzeug und der Mann musste sich auf der Baustelle zu Fuß fortbewegen - was dauerhaft nicht möglich ist. Generell ist der Elektrorollstuhl nicht ausreichend für das Befahren einer Baustelle geeignet. Zwar können kleinere Hindernisse überwunden werden, jedoch bilden Wege und Türen auf den Baustellen Barrieren für den Elektrorollstuhl, da sie uneben oder zu schmal sind. Der Wenderadius des Rollstuhls ist außerdem oft zu groß, um in kleinen Bereichen zu wenden. Damit die Mobilität für den Ingenieur im Rahmen seiner Tätigkeit auf den Baustellen gewährleistet werden kann, wurde nach technischer Beratung durch das Integrationsamt, ein sogenannter Fahrroboter bzw. Segway-Rollstuhl eingesetzt. Der Segway-Rollstuhl basiert eigentlich auf der bekannten Segway-Technologie. Die Fortbewegung erfolgt dabei auf nur zwei Rädern und der Rollstuhl balanciert sich dank seiner speziellen Technik eigenständig aus, sodass er nicht umkippt. Der Antrieb des Rollstuhls wird durch Gewichtsverlagerung nach vorne bzw. hinten gesteuert und die Fahrtrichtung wird durch leichtes Bewegen der Lenkerstange bestimmt. Dafür muss der Rollstuhlfahrer nur sehr wenig Kraft aufwenden. Mit dem Segway-Rollstuhl ist er zudem auf den Baustellen mobiler und kann sich dort selbstständig auch auf unebenem und ansteigendem Untergrund bewegen. Die Räder des neuen Rollstuhls werden separat angetriebenen, sodass der Fahrer auf der Stelle wenden kann und somit über einen geringen Wenderadius verfügt.
Um den Segway-Rollstuhl in das Fahrzeug ein- und auszuladen, ist der Mann dennoch auf Hilfe angewiesen. Dafür musste zunächst die Rückbank des Fahrzeuges zurückgeklappt, die Rückenlehne sowie Lenkstange des Rollstuhls umgeklappt und abschließend der Rollstuhl in das Fahrzeug befördert werden. Da jedoch nicht gewährleistet war, dass immer eine Person dem Ingenieur helfen kann, entschloss er sich zum Kauf eines neuen Firmenwagens in Kombi-Ausführung mit entsprechend großem Laderaum und einem zusätzlich installierten Rollstuhllift als Verladehilfe, damit er auch eigenständig zu weiter entfernten Terminen gelangen kann.
Der Rollstuhllift ist im Laderaum des neuen Kombis montiert. Mit einer Fernbedienung wird der Lift über einen eingebauten Elektromotor in Position gebracht. Der Segway-Rollstuhl, dessen Sitz und Lenkrad vorher umgeklappt wurden, wird mit Hilfe eines Hebebügels am Seil des Lifts eingehakt, mit der Fernbedienung auf die entsprechende Höhe befördert und zum Schluss elektromotorisch auf die Ladefläche geschwenkt, sodass der Segway-Rollstuhl vom Ingenieur im Kofferraum verstaut werden kann.

Eingesetzte Hilfsmittel - Anzeigen der Produkte:


Förderung und Mitwirkung:

Der Elektrorollstuhl wurde von der Krankenkasse zum Ausgleich der Behinderung und zur Teilhabe an der Gesellschaft gefördert. Die behinderungsgerechte Gestaltung des Büroarbeitsplatzes sowie die Anpassungen zur Kompensation der eingeschränkten Mobilität wurden vom Integrationsamt gefördert. Die Beratung erfolgte dabei durch den Ingenieur-Fachdienst für behinderungsgerechte Arbeitsgestaltung des Integrationsamtes - dem sog. Technischen Beratungsdienst. Für die fachgerechte Kfz-Anpassung wurde eine Spezialfirma für den Umbau hinzugezogen.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Tel.-Nummern der Integrationsämter und von Kfz-Umrüstern.



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Referenznummer:

PB/110986



Informationsstand: 07.02.2018