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Angaben zum Praxisbeispiel

Arbeitsplatzgestaltung für einen Referendar mit einer Halbseitenlähmung

Arbeitgeber:

Der Arbeitgeber ist eine Landesregierung bzw. ein Studienseminar zur Lehrerausbildung im Rahmen des 2. Staatsexamens.

Behinderung und Funktionseinschränkung des Mannes:

Der Mann hat infolge einer Hirnblutung eine Halbseitenlähmung (Hemiplegie) rechts mit einer Spastik. Der eigentliche Rechtshänder musste lernen seine linke Hand für Tätigkeiten, wie z. B. das Schreiben mit Stift oder Tastatur, einzusetzen. Die Halbseitenlähmung führt zu Einschränkungen beim Handhaben von Gegenständen sowie beim Sprechen und zu einer geringen körperlichen Belastbarkeit, die bereits bei der Ausübung einer leichten Tätigkeit nach 2-3 Stunden zur Erschöpfung führt. Die körperliche Erschöpfung kann aber durch eine entsprechend lange Pause von zwei Stunden wieder ausgeglichen werden. Der Mann sollte nicht für Tätigkeiten eingesetzt werden, bei denen er lange stehen sowie gehen und Gegenstände manuell handhaben muss. Trotz der Halbseitenlähmung kann er ohne Unterarmgehstützen verlangsamt gehen, im geringen Umfang flache Treppen hinaufsteigen und sich sprachlich verständigen. Der GdB (Grad der Behinderung) beträgt 80.

Ausbildung und Beruf:

Der Mann beendete sein Lehramtsstudium erfolgreich mit dem 1. Staatsexamen und absolviert seinen zweijährigen Vorbereitungsdienst bzw. das Referendariat bei einem Studienseminar für Förderschulen und in einer Schule für körperbehinderte Menschen.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe:

Der Referendar muss die Tafelbilder mit der linken Hand entwickeln bzw. mit Kreide anschreiben. Die für die Entwicklung der Tafelbilder nötigen Hilfsmittel (Zirkel, Lineal usw.) und Medien (z. B. schwergängige Wandtafel) muss er ebenfalls behinderungsbedingt mit der linken Hand handhaben. Das Entwickeln der Tafelbilder ist sehr zeitaufwendig und beansprucht den Lehrer sehr, so dass es bereits früh nach dem Beginn des Unterrichtes zu Erschöpfungserscheinungen kommt. Außerdem ist das Schriftbild bzw. die Handschrift auf der Tafel nur schlecht von den Schülern zu erkennen. Die mittlere Tafel im Unterrichtsraum wurde deshalb durch ein interaktives Whiteboard ersetzt, Lautsprecher sowie ein Beamer fest installiert und der Referendar mit einem Laptop sowie einer Dokumentenkamera ausgestattet. Die Unterrichtsinhalte lassen sich so auf dem Laptop zu Hause vorbereiten und über den Beamer auf das Whiteboard im Klassenraum projizieren. Wie auch bei einer sonst üblichen Tafel können Inhalte direkt über das Laptop oder interaktiv über die Fläche des Whiteboards (wie bei einem Touchscreen) verändert werden. Sogar eine Umwandlung der Handschrift durch eine Schrifterkennung in digitalen Text und ein Speichern des Tafelbildes über das Laptop ist möglich, so dass es in den nächsten Unterrichtsstunden wieder aufgerufen und weiter bearbeitet werden kann. Um auf Papier geschriebene Schülerarbeiten zeigen und erläutern zu können, nimmt der Referendar diese mit der Dokumentenkamera auf und präsentiert sie mittels Laptop und Beamer auf dem Whiteboard - ein Speichern ist ebenfalls möglich.

Arbeitsorganisation:

Der Referendar unterrichtet seine 15 Schulstunden in der Woche nur in dem Klassenraum mit interaktivem Whiteboard, der von ihm über einen Aufzug erreicht werden kann. Da nach längeren Unterrichtseinheiten ein Erschöpfungszustand eintritt, wurde dem Referendar eine Liege in einem separaten Raum in der Nähe des Klassenraumes zur Erholung bereitgestellt. Sein Stundenplan ist so organisiert, dass er zur Erholung nach längeren Unterrichtseinheiten frei oder eine entsprechend lange Pause hat. Im Rahmen des Referendariates finden Gespräche mit den Ausbildungslehrern und den Fach- sowie Hauptseminarleitern statt, die der Referendar mit Hilfe eines Diktiergerätes zum späteren Auswerten aufzeichnet, da er zum Mitschreiben und Anfertigen von Notizen zu langsam ist.

Eingesetzte Hilfsmittel - Anzeigen der Produkte:


Förderung und Mitwirkung:

Die Arbeitsgestaltung wurde vom Integrationsamt gefördert. Die Beratung erfolgte dabei durch den Ingenieur-Fachdienst für behinderungsgerechte Arbeitsgestaltung des Integrationsamtes - dem sog. Technischen Beratungsdienst.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Telefonnummern der Integrationsämter.



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  • EFL - Handkoordination (rechts/links) /
  • EFL - Handumwendebewegungen (rechts/links) /
  • EFL - Schweregrad der Arbeit (Last/Herzfrequenz) /
  • EFL - Steigen (Leiter/Treppe) /
  • EFL - Tragen (rechte, linke Hand/vorne) /
  • EFL - Treppe steigen /
  • ERGOS - Dreipunktgriff /
  • ERGOS - Fingergeschicklichkeit /
  • ERGOS - Handgeschicklichkeit /
  • ERGOS - Handgreifkraft /
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  • ERGOS - Schlüsselgreifkraft /
  • ERGOS - Tragen /
  • ERGOS - Treppensteigen /
  • ERGOS - aktuelle tägliche Dauerleistungsfähigkeit (Last/Herzfrequenz) /
  • IMBA - Armbewegungen /
  • IMBA - Feinmotorik (Hand- und Fingergeschicklichkeit) /
  • IMBA - Gehen/Steigen /
  • IMBA - Hand-/Fingerbewegungen /
  • IMBA - Tragen /
  • IMBA - physische Ausdauer (Last/Herz-Lungensystem) /
  • MELBA - Feinmotorik


Referenznummer:

Pb/110812



Informationsstand: 16.08.2013