Inhalt

in Praxisbeispielen blättern

  • Beispiel

Angaben zum Praxisbeispiel

Gestaltung eines Arbeitsplatzes für einen geistig behinderten Mitarbeiter in einer Wäscherei

Arbeitgeber:

Der Arbeitgeber ist eine Wäscherei mit 19 Mitarbeitern. Es werden täglich 2 Tonnen Wäsche im Zwei-Schichtbetrieb, von der Annahme bis zur Auslieferung, bearbeitet.

Behinderung und Funktionseinschränkung des Mitarbeiters:

Der Mann hat eine geistige Behinderung und wird von einem externen Integrationsfachdienst betreut. Nach Aussage des Fachdienstes besitzt er Defizite bei der eigenständigen und konzentrierten Umsetzung von Arbeitsaufgaben - besonders da, wo intellektuelle Leistungen (z. B. das Lernen, Merken und Organisieren) erforderlich sind. Der Grad der Behinderung (GdB) beträgt 50.

Ausbildung und Beruf:

Der Mann absolvierte keine Berufsausbildung und arbeitet seit einigen Jahren als Wäschereihilfskraft bei seinem Arbeitgeber.
In REHADAT finden Sie auch Einrichtungen zur Ausbildung von geistig behinderten Menschen.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe (Istzustand):

Die Arbeitsaufgabe des Mitarbeiters umfasst das Beschicken und Entleeren der Waschmaschinen, der Trockner sowie das Bedienen und Überwachen der Dampfkesselanlagen. Zur Auslastung der Arbeitszeit wird der Mitarbeiter auch zur Ein- und Auszählung der Wäsche eingesetzt. Dazu müssen die eingehenden Aufträge (schmutzige Wäsche) gezählt (Bild 1), sortiert und die Taschen auf nicht waschbare Gegenstände kontrolliert werden (Bild 2). Den eingehenden Aufträgen liegt eine vom Kunden ausgefüllte Wäscheliste bei, diese ist mit der gezählten Wäsche zu vergleichen (Bild 3). Nach dem die Wäsche in unterschiedlichen Wasch- und Trocknungsverfahren gereinigt wurde, wird die Wäsche ausgezählt. D. h. je nach Fertigstellung der einzelnen Wäschestücke sind diese (je nach Kunde) in ein Regal einzusortieren und anhand der Wäscheliste ist zu prüfen, welche Teile noch fehlen oder ob der Auftrag komplett ist. Aufgrund der Behinderung stellen sich bei dem Mitarbeiter Aufmerksamkeits- und Konzentrationsprobleme ein. Die Konzentration ist nicht ausreichend, um mehrere Aufgaben zu kombinieren. So kann er beispielsweise beim Zählen der Wäsche nicht gleichzeitig die Taschen kontrollieren. Es fehlt auch an der Fähigkeit einzelne Arbeitsschritte selbst zu organisieren, z. B. erst alles kontrollieren, dann zählen und anschließend sortieren. Ein Kollege erinnert ihn deshalb an den Arbeitsablauf. Trotz guter Arbeitseinstellung treten immer wieder Fehler im Arbeitsprozess auf. So entstanden bereits durch nicht ausreichend kontrollierte Taschen starke Wäscheverschmutzungen, die nur mit sehr aufwendiger Nacharbeit korrigiert werden konnten. Wird der Mitarbeiter auf seine Fehler aufmerksam gemacht und um mehr Sorgfalt bei der Arbeit gebeten, verstärkt sich seine Unsicherheit.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe (Sollzustand):

Damit der Mitarbeiter weiter beschäftigt werden kann, ist die Anschaffung eines computergesteuerten Wäschekennzeichnungs- und Wäscheerfassungssystems (Kombisystem Barcode und RFID) erforderlich. Bei diesem System werden Wäschestücke, insbesondere von Dauer- und Großkunden, mit einem RFID-Transponder (Mikrochip mit Antenne) gekennzeichnet. Zunächst wird bei der Ersterfassung des Wäschestückes im PC in einer speziellen Software ein Datensatz mit Identifikationsmerkmalen angelegt und danach wird der Bon mit Barcode gedruckt. Mit diesem Bon wird der RFID-Transponder in das Wäschestück geklebt und bleibt über viele Waschprozesse im Wäschestück. Zur Ersterfassung wird mit dem Handscanner der Barcode erfasst und damit der RFID-Transponder aktiviert. Bei zukünftigen Waschaufträgen werden die Wäschestücke bzw. deren Identifikationsmerkmale nur über den Transponder in den PC bzw. die Software eingelesen. Am Monitor erfolgt die Anzeige der Stammdaten sowie Waschmethode (Kundenname, Auslieferungstag, wie oft schon gewaschen, Waschtemperatur usw.). Wäschestücke für die sich der RFID-Transponder nicht eignet, werden nur mit einem Barcode gekennzeichnet. Das Einlesen in den PC erfolgt dann bei jedem Waschauftrag mit dem Handscanner. Mit dem System wird auch das Wäscheauszählen enorm erleichtert. Ein Kundenauftrag wird am Eingang komplett erfasst, d. h. es wird exakt festgehalten wie viele und welche Wäschestücke zum Auftrag gehören. Der Durchlauf der Wäschestücke ist dann je nach Wasch- und Trockenvorgang unterschiedlich beendet. Jedes fertig bearbeitete Wäschestück wird wieder über den RFID-Transponder am Ausgang registriert. Mit der im System integrierten Sortier-Regal-Steuerung wird am Monitor angezeigt in welches Regalfach das Wäschestück zu legen ist. Gleichzeitig wird die Vollständigkeit des Auftrages angezeigt. Im Untermenü kann kontrolliert werden welche Wäschestücke noch fehlen. Vom System wird bei Vollständigkeit eines Auftrages ein Paketbeleg mit Nachlieferhinweis und ein Lieferschein gedruckt. Im Erfassungssystem ist auch die Rechnungslegung integriert.
Der Mitarbeiter wird nur am Wäscheein- und -ausgang arbeiten. Er wird die mit dem RFID-Transponder gekennzeichnete Wäsche über eine Empfangseinheit in den PC einlesen (Bild 4). Als Hilfe für den Mitarbeiter ertönt nach Erfassung ein Signalton. Einbezogen wird er auch bei der Ersterfassung der Wäsche, d. h. er wird die Bons mit dem Barcode drucken und zusammen mit dem Transponder am Wäschestück befestigen. Für den Mitarbeiter entfällt damit das Zählen und Sortieren der Wäsche. Er kann sich so ausschließlich auf die Taschenkontrolle konzentrieren. Auch bei der Wäscheauszählung wird das fertig bearbeitete Wäschestück über eine Empfangseinheit im PC erfasst. Am Ausgang ist dann nochmals eine Kontrolle, ob das Wäschestück überhaupt ordnungsgemäß eingelesen wurde. Dies kann dann am Ausgang korrigiert werden, um eine ordnungsgemäße Auftragsbearbeitung zu garantieren. Der Mitarbeiter muss sich nur auf die PC-Anzeige konzentrieren, d. h. nur auf das angezeigte Regalfach wo er die Wäsche ablegen muss (Bild 5).

Förderung und Mitwirkung:

Die behinderungsgerechte Gestaltung wurde vom Integrationsamt gefördert. Die Beratung erfolgte dabei durch den Ingenieur-Fachdienst für behinderungsgerechte Arbeitsgestaltung des Integrationsamtes - dem sog. Technischen Beratungsdienst.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Tel.-Nummern der Integrationsämter.



Schlagworte und weitere Informationen

  • Arbeitgeber /
  • Arbeitnehmer /
  • Arbeitsaufgabe /
  • Arbeitsmittel /
  • Arbeitsorganisation /
  • Arbeitsplatzgestaltung /
  • Arbeitstempo /
  • Arbeitszeit /
  • Auffassung /
  • Automatisierung /
  • berufliche Rehabilitation /
  • Betreuung /
  • Dienstleistung /
  • Erwerbstätigkeit /
  • geistige Arbeit /
  • geistige Behinderung /
  • Hilfsmittel /
  • Integrationsamt /
  • Integrationsfachdienst /
  • jpg /
  • Kennzeichnung /
  • Kennzeichnungssystem /
  • KMU /
  • Konzentration /
  • Lernen /
  • Merken /
  • Organisation /
  • Schichtarbeit /
  • Selbständigkeit /
  • Sorgfalt /
  • Sortierung /
  • Talentplus /
  • technische Beratung /
  • Teilhabe /
  • Teilhabe am Arbeitsleben /
  • Vollzeitarbeit /
  • Wäsche /
  • Wäscherei

  • IMBA - Arbeitsplanung /
  • IMBA - Arbeitszeit /
  • IMBA - Auffassung /
  • IMBA - Aufmerksamkeit /
  • IMBA - Konzentration /
  • IMBA - Lernen/Merken /
  • IMBA - Problemlösen /
  • IMBA - Schichtarbeit /
  • IMBA - Selbständigkeit /
  • IMBA - Sorgfalt /
  • IMBA - Umstellung /
  • IMBA - Vorstellung (Vorstellungsvermögen) /
  • MELBA - Arbeitsplanung /
  • MELBA - Auffassung /
  • MELBA - Aufmerksamkeit /
  • MELBA - Konzentration /
  • MELBA - Lernen/Merken /
  • MELBA - Problemlösen /
  • MELBA - Selbständigkeit /
  • MELBA - Sorgfalt /
  • MELBA - Umstellung /
  • MELBA - Vorstellung (Vorstellungsvermögen)


Referenznummer:

R/PB5317



Informationsstand: 26.06.2013