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Angaben zum Praxisbeispiel

Beschäftigung von Menschen mit einer geistigen Behinderung in einem Hotel

Arbeitgeber:

Der Verein betreibt ein drei Sterne Hotel (als Inklusionsbetrieb) mit einer angeschlossenen kleinen Wäscherei und ein Café, dass sich in der Nähe des Hotels befindet. Das Hotel ist barrierefrei und wurde 1993 eröffnet und im Jahr 2000 erfolgte ein Ausbau sowie eine Erweiterung des Hotelangebotes. Im Hotel arbeiten Mitarbeiter mit und ohne Schwerbehinderung. Das Hotel wurde zu Beginn eigentlich von einem Elternverein gegründet mit dem Ziel ihren Kindern mit einer Behinderung später gemeinsam eine berufliche und gesellschaftliche Zukunft zu schaffen. Gemeinsam deshalb, da die Kinder schon bereits zusammen die Schule besuchten und die harmonische Gemeinschaft erhalten bleiben sollte. Im Jahr 2000 wurde das Hotel dann vom heutigen Träger, einem Jugendverein, übernommen.

Behinderung und Funktionseinschränkung der Mitarbeiter:

Die Mitarbeiter haben überwiegend eine geistige Behinderung. Aufgrund ihrer Behinderung haben sie Einschränkungen beim Lesen, Schreiben, Lernen und Merken. Außerdem benötigen sie Unterstützung bei geistig anspruchsvolleren Tätigkeiten.

Ausbildung und Beruf:

Die Mitarbeiter wurden zur Vorbereitung auf die Arbeiten im Hotel zwei Jahre lang in einem Pilotprojekt an einer Berufsschule ganztägig, in den Fächern Hauswirtschaft, Wäschepflege und Kulturtechniken, unterrichtet. Die guten Erfahrungen innerhalb des Pilotprojektes führten dazu, dass die Berufsschule die berufliche Bildung von Jugendlichen mit geistiger Behinderung als Angebot als Berufsvorbereitung aufgenommen hat. Im Anschluss daran wurden die Mitarbeiter im Bereich Empfang und Service des Hotels intensiv eingearbeitet. Die Mitarbeiter werden nach den üblichen Tarifen des Hotel- und Gaststättengewerbes eingestuft und bezahlt.

Arbeitsorganisation:

Zwei nichtbehinderte Hotelfachkräfte sind für die Hotelleitung in Wechselschicht verantwortlich. Sie Teilen die Arbeit für die Mitarbeiter in Teambesprechungen ein (Bild 1). Die Teambesprechungen werden auch genutzt, um den Mitarbeitern Änderungen (Reklamationen, Wünsche der Gäste usw.) mitzuteilen. Die Arbeitszeit der Mitarbeiter beträgt 25 Stunden in der Woche im Zweischichtbetrieb, wobei die Arbeitswoche im Hotelbetrieb auch Feiertage, Samstage und Sonntage beinhaltet.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe:

Die Mitarbeiter werden in den Bereichen Empfang, Küche, Frühstücksbüfett und Reinigungsdienst eingesetzt. Zur Ausübung der Tätigkeiten wurden die Mitarbeiter, nach Beendigung der Schulungsmaßnahmen in der Berufsschule, direkt an ihren Arbeitsplätzen eingearbeitet. Die Tätigkeiten sind so strukturiert, dass sie sich ständig wiederholen und die Mitarbeiter deshalb selbständig ihre Tätigkeiten ausüben können.
Im Empfangsbereich melden sich die Hotelgäste an und ab (Bild 2). Die beiden Mitarbeiter, die hier in Wechselschicht tätig sind, können deshalb lesen, schreiben und rechnen. Sie sind so in der Lage, die zur An- und Abmeldung erforderlichen Daten der Gäste, zu bearbeiten (Bild 3). Im Bereich Küche und Frühstücksbüfett werden alle Arbeiten zur Bewirtung der Gäste, z. B. Kaffee kochen (Bild 4), Tische decken, Büfett auffüllen (Bild 5), Gäste bedienen ( Bild 6), Tische abräumen (Bild 7) und säubern des Bestecks sowie des Geschirrs (Bild 8) ausgeführt. Im Bereich des Reinigungsdienstes werden alle Arbeiten zur Reinigung des Hotels bzw. der Gästezimmer und der Sanitären Anlagen ausgeführt (Bild 9-11). Damit die Mitarbeiter sorgfältiger mit den zur Ausübung erforderlichen Arbeitshilfen (Staubsauger usw.) umgehen, wurden diese personifiziert. Zur Personifizierung bekamen die Arbeitshilfen Namen und Aufkleber (Bild 12).
Die Erfahrungen im Stadthaushotel ergeben folgendes Bild: Die Rückmeldungen der Gäste sind insgesamt positiv. Sehr angenehm empfinden die Gäste die besonders familiäre Atmosphäre, das hohe Engagement und die Freundlichkeit der Mitarbeiter. Vor allem der direkte Kontakt mit den Angestellten mit Behinderung relativiert oftmals die geäußerten Vorbehalte bezüglich des Kundenkontaktes. So wird der Kontakt als sehr herzlich, direkt und spontan empfunden.

Arbeitsumgebung:

Die Mitarbeiter mit Behinderung Wohnen in einer Wohngruppe, die sich auf einer oberen Etage im Hotel befindet. Die Wohngruppe wird von zwei Sozialpädagogen betreut. In der Wohngruppe werden auch die sozialen Probleme, die am Arbeitsplatz entstehen besprochen.

Förderung und Mitwirkung:

Als der gegründete Elternverein die Zusage macht, einem Bauunternehmen bereits einen Teil der Bausumme zu überweisen, verfügt er praktisch noch nicht über eigene Mittel. Absehbar war zu diesem Zeitpunkt, dass durch Bau und Einrichtung des Hotels große Kosten für den damaligen Träger, dem Elternverein, entstehen werden. Um auf Nummer sicher zu gehen, ließ der Vorstand, die von ihm entwickelte Wirtschaftlichkeitsrechnung von einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft überprüfen. Im Anschluss daran beteiligten sich folgende Institutionen bzw. Gruppen an der Förderung:
- die Stadt,
- Unternehmen,
- Stiftungen,
- private Unterstützer,
- Integrationsamt und
- Elternverein.
Das Integrationsamt fördert auch noch jeden der Arbeitsplätze der Mitarbeiter mit Schwerbehinderung des Hotels mit einer monatlichen Pauschale.
In REHADAT finden Sie auch die Adresse und Tel.-Nummer der Integrationsämter.



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Referenznummer:

R/PB5289



Informationsstand: 09.01.2018