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Angaben zum Praxisbeispiel

Berufliche Eingliederung einer geistig behinderten Jugendlichen im Bereich der Landwirtschaft

Arbeitgeber:

Der Arbeitgeber bewirtschaftet einen kleinen Bauernhof. Die Erzeugnisse aus der Landwirtschaft dienen im Wesentlichen zur Versorgung der eigenen Familie. Verkauft werden in kleineren Mengen Gemüse, Eier, Milch und hin und etwas Fleisch. Als Vieh werden neben Hühnern und Enten ein paar Schweine für den Eigenbedarf und 10 Kühe gehalten. Das einzige Einkommen bezieht der Betrieb aus der Bewirtschaftung der zum Hof gehörenden Waldstücke. Aufgrund der schon seit Jahren sehr niedrigen Preise für Holz können jedoch auch von diesen Erlösen keine Rücklagen für größere Anschaffungen gebildet werden. Dementsprechend ist die maschinelle Ausstattung des Hofes in einem sehr schlechten Zustand bzw. zum Teil nicht mehr gebrauchsfähig. Auch die Stallgebäude für die Kühe und das Hühnerhaus sind dringend reparaturbedürftig.

Behinderung und Funktionseinschränkung der Jugendlichen:

Die Jugendliche hat eine geistige Behinderung und ist von ihrer Körperstruktur sehr zierlich. Sie hat Schwierigkeiten beim Lernen, Merken und ist körperlich nur eingeschränkt belastbar. Der GdB (Grad der Behinderung) beträgt 60.

Übergang Schule - Ausbildung:

Die Jugendliche besuchte eine Förderschule für geistig behinderte Menschen. Sie sollte anschließend einen Arbeitsplatz in einer Werkstatt für Behinderte (WfbM) erhalten.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Tel.-Nr. der und Literatur über Werkstätten für behinderte Menschen.
Da die Jugendliche auf keinen Fall in der WfbM arbeiten wollte, wurde sie von ihrem Vater auf dem elterlichen Hof zur Ausbildung als Fachpraktikerin für Landwirtschaft eingestellt.
Es ist vorgesehen, dass die Jugendliche während der Ausbildung auch ein Praktikum auf einem anderen Bauernhof absolvieren soll.
Die Auszubildende hilft ihrem Vater bei allen anfallenden Arbeiten auf dem Hof, wie beim Vieh Tränken und Füttern, der Bestellung der Felder und Einbringung der Ernte, der Stallsäuberung sowie bei der Bewirtschaftung des Waldes. Nach Abschluss der Ausbildung soll sie den Betrieb selbständig führen können.

Ausbildung und Arbeitsplatz:

Um der Auszubildenden die Ausführung der zum Teil schweren Arbeiten überhaupt zu ermöglichen und die Existenzgrundlage des Betriebes auf dem bisherigen Niveau zu sichern, sind jedoch einige Veränderungen im Bereich der Viehhaltung, Feldbestellung, Geflügelhaltung und Waldwirtschaft erforderlich.

Viehhaltung:
Im Kuhstall müssen die automatischen Viehtränken und die Anbindungen für die Tiere erneuert werden. Hierdurch wird das schwere Heben und Tragen von Wassereimern vermieden und das Füttern der Tiere erleichtert. Außerdem sollte zur weiteren Vermeidung von schweren Hebe- und Tragearbeiten für die Einlagerung von Heu- und Strohballen auf dem Boden des Stallgebäudes ein fahrbarer Ballenförderer eingesetzt werden.

Feldbestellung:
Momentan wird die Gülle der Tiere von Hand auf die Felder und Wiesen ausgebracht. Diese schwere Arbeit kann von der Auszubildenden nicht verrichtet werden. Die anfallende Gülle könnte in der Zukunft von einem Fremdunternehmen auf die Felder und Wiesen ausgebracht werden. Bei den sehr geringen Einkünften des Betriebes sind die Kosten dafür vom Arbeitgeber auf Dauer kaum aufzubringen. Es ist daher notwendig und sinnvoll, einen gebrauchten Dungstreuer und ein Güllefass anzuschaffen.

Geflügelhaltung:
Das Hühnerhaus auf dem Hof ist baufällig, zu klein und nur gebückt begehbar. Die Umzäunung des Auslaufs bietet nicht mehr genügend Schutz vor Fuchs und Marder.
Zur Sicherstellung eines angemessenen und gleichmäßigen Einkommens aus der Hühnerhaltung sollte der Bestand auf 80 bis 100 Stück vergrößert und das Hühnerhaus und der Auslauf völlig erneuert werden.

Waldbewirtschaftung:
Auch in diesem Bereich fallen schwere körperliche Arbeiten an, die durch den Einsatz geeigneter Maschinen und Geräte wesentlich erleichtert und beschleunigt werden können. Ein leistungsfähiger Schlepper mit Allradantrieb und leichtgängigen Bedienelementen macht auch für die Auszubildende ein Ausführen von Waldarbeiten möglich. Der vorhandene Schlepper ist defekt, wesentlich zu schwach in der Motorleistung und lässt sich nur sehr schwer bedienen.
Weiterhin wird für die Waldarbeit ein kompletter Satz Schutzkleidung (Schnittschutz bei der Verwendung einer Kettensäge und Regenschutz) für die Auszubildende benötigt. Bei Pflegearbeiten in den Kulturen ist der Einsatz eines Freischneiders (Motorsense) sehr hilfreich, während mühselige, kraft- und zeitraubende Entrindungsarbeiten durch ein Vorsatzgerät zur Kettensäge erleichtert werden können.

Förderung:

Der Arbeitgeber erhielt vom Integrationsamt einen Zuschuss für die Neuschaffung bzw. Ausstattung des Ausbildungslatzes in Höhe von 80% der entstehenden Kosten. Das Ausbildungsverhältnis wird von der Arbeitsagentur durch die Gewährung eines Zuschusses zur Ausbildungsvergütung gefördert.
Nach der Umsetzung der Verbesserungsvorschläge kann die Familie durch die Arbeit der Tochter ein zwar deutlich unter dem Durchschnitt bäuerlicher Vollerwerbsbetriebe liegendes, aber für ihre persönlichen Bedürfnisse ausreichendes, Einkommen erzielen. Der Fortbestand des Hofs und damit die Altersversorgung der Eltern kann auf Dauer nur durch die Tätigkeit der Tochter erreicht werden. Eine Verpachtung des Betriebes ist keine Lösung, da hier kein Pachtzins für landwirtschaftliche Flächen erzielbar ist.
Die geringen Finanzmittel lassen der Familie nur eine sehr begrenzte Möglichkeit für eine Beteiligung an den Kosten der Arbeitsplatzausstattung.
In REHADAT finden Sie auch die Adresse und Tel.-Nr. der Arbeitsagenturen und Integrationsämter.



Link:

Bundesagentur für Arbeit mit Informationen zum Beruf Fachpraktiker/in für Landwirtschaft



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  • IMBA - Klima /
  • IMBA - Lernen/Merken /
  • IMBA - Problemlösen /
  • IMBA - Vorstellung (Vorstellungsvermögen) /
  • IMBA - physische Ausdauer (Last/Herz-Lungensystem) /
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Referenznummer:

R/PB4686



Informationsstand: 25.11.2009