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Angaben zum Praxisbeispiel

Ausgleich der Minderleistung für eine Produktionshelferin mit einer geistigen Behinderung

Arbeitgeber:

Das Unternehmen stellt Armaturen für alle Industriezweige her. Hierbei handelt es sich z. B. um Armaturen für Glasflaschen, Feuerlöscher, Hochdruckreiniger und Küchen.

Behinderung und Funktionseinschränkung der Mitarbeiterin:

Die Frau hat eine geistige Behinderung und eine Hauterkrankung. Ihr Auffassungsvermögen und die Fähigkeit Sachverhalte zu analysieren sowie daraus entsprechend gezielte Vorgehensweisen abzuleiten sind eingeschränkt. Sie sollte außerdem nicht für Tätigkeiten eingesetzt werden, die einen ständigen Kontakt der Hände mit Flüssigkeiten (z. B. Wasser oder Kühl-Schmierstoffe) erfordern. Ihr GdB (Grad der Behinderung) beträgt 70.

Ausbildung und Beruf:

Die Frau ist als Produktionshelferin beim Arbeitgeber tätig.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe:

Die Mitarbeiterin wird im Produktionsbereich an einer Maschine bzw. einem Automaten zur spanenden Bearbeitung der Armaturen eingesetzt. Die Armaturen werden dazu von Hand in die Maschine eingelegt und der Bearbeitungsvorgang wird durch das Drücken eines Tasters gestartet. Nach der Bearbeitung werden die Armaturen wieder von Hand aus der Maschine entnommen. Die entnommenen Armaturen sind mit Kühlschmiermittel sowie Späne behaftet und müssen daher durch Schwenken in einem Wasserbad gereinigt, dann einer Sichtkontrolle unterzogen und abschließend in Boxen gelegt werden.
Aufgrund der geistigen Behinderung kann die Mitarbeiterin den Arbeitsablauf zeitlich nicht richtig koordinieren. Das Waschen und Ablegen der fertigen Armaturen dauert bei ihr länger als der Bearbeitungsvorgang auf dem Automaten, so dass Stillstandszeiten anfallen und die bearbeitete Stückzahl pro Tag um 50% geringer ist als die der nichtbehinderten Kollegen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Frau die Sichtkontrolle der Armaturen nicht ausführen kann, da sie fehlerhafte Armaturen (Ausschuss) zur Qualitätssicherung nicht erkennen und aussortieren kann - sie ist kognitiv damit überfordert. Deshalb muss die Sichtkontrolle von anderen Kollegen übernommen werden, was zeitlich und organisatorisch einen erhöhten Aufwand und damit zusätzliche Kosten verursacht. Die finanzielle und zusätzliche Belastung des Arbeitgebers kann nicht durch den Einsatz technischer Hilfsmittel kompensiert werden.
Aufgrund von auftretenden Hautveränderungen, die bei der Ausführung von Nassarbeiten eine deutliche Verschlimmerungstendenz zeigten, wurde die Produktionshelferin in die Montageabteilung versetzt. Es zeigte sich, dass sie hier durch die häufig wechselnden Werkstücke und Arbeitsabläufe total überfordert war. Nach Rücksprache mit einer Dermatologin und der Berufsgenossenschaft wurde die Produktionshelferin, unter Beachtung besonderer Hautschutzmaßnahmen (Tragen von Stoffhandschuhen mit darübergezogenen feuchtigkeitsundurchlässigen Schutzhandschuhen) und der Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) bzw. der TRGS 611 (Verwendungsbeschränkungen für wassermischbare bzw. wassergemischte Kühlschmierstoffe, bei deren Einsatz N-Nitrosamine auftreten können), wieder an ihren ursprünglichen Arbeitsplatz eingesetzt, da ein anderer geeigneter Arbeitsplatz im Unternehmen nicht vorhanden war.

Förderung:

Zur Kompensation der außergewöhnlichen Belastung erhält der Arbeitgeber vom Integrationsamt einen monatlichen Beschäftigungssicherungszuschuss (Minderleistungsausgleich).
In REHADAT finden Sie auch die Adresse und Tel.-Nr. der Integrationsämter.



Link:

Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) - Technische Regel für Gefahrstoffe (TRGS) bzw. TRGS 611 (Verwendungsbeschränkungen für wassermischbare bzw. wassergemischte Kühlschmierstoffe, bei deren Einsatz N-Nitrosamine auftreten können)



Schlagworte und weitere Informationen

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  • IMBA - Arbeitssicherheit /
  • IMBA - Arbeitszeit /
  • IMBA - Auffassung /
  • IMBA - Flüssigkeiten/Feststoffe /
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  • MELBA - Umstellung /
  • MELBA - Vorstellung (Vorstellungsvermögen)


Referenznummer:

R/PB4330



Informationsstand: 02.07.2010