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Angaben zum Praxisbeispiel

Produktionsassistent mit Autismus und geistiger Behinderung beim Becher- und Haftetikettenhersteller Peters GmbH & Co. KG

Arbeitgeber:

Das mittelständische Unternehmen produziert und vertreibt mit seinen ca. 70 Beschäftigten Becher aus Karton (z. B. Trink- und Eisbecher) und selbstklebende Haftetiketten auf Rollen (z. B. Barcode-Etiketten und Lebensmitteletiketten). Das Unternehmen vertreibt seine Produkte in ganz Europa und hat langjährige Erfahrung in der Beschäftigung von Menschen mit Behinderung. Was sich im offenen und verständnisvollen Umgang mit ihnen zeigt und 2018 mit dem Inklusionszertifikat der Agentur für Arbeit für das vorbildliche Engagement zur Beschäftigung von Menschen mit Behinderung ausgezeichnet wurde.

Behinderung und Funktionseinschränkung des Mitarbeiters:

Der Mann hat eine Entwicklungsstörung aus dem Autismus-Spektrum und eine geistige Behinderung, aufgrund der er nicht lesen und schreiben kann. Er ist sehr scheu im Kontakt mit anderen Menschen, meidet Augenkontakt und braucht einige Zeit zum Aufbau der nötigen Vertrauensbasis für ein Gespräch. In der Kommunikation bedient er sich keiner Mimik und Gestik. Außerdem hat er Probleme bei der Planung von Abläufen und kurzfristigen Veränderungen in seinem Umfeld sowie bei Abweichungen von Routinen. Auf die er dann teilweise ängstlich reagiert. Der GdB (Grad der Behinderung) beträgt 90.

Ausbildung und Beruf:

Vor der Anstellung beim Unternehmen war der Mann sieben Jahre lang in einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) tätig. Dort gehörte die Demontage und das Sortieren von Computerteilen sowie anderem Elektro-Schrott zu Wiederverwertungszwecken zu seinen Aufgaben.
Die Mutter des Mannes fragte beim Unternehmen nach der Möglichkeit einer Beschäftigung für ihren Sohn. Bei einem späteren Treffen im Unternehmen zum Kennenlernen erörterten seine Betreuerin aus der Wohngemeinschaft, die Eltern und der Mann mit dem Juniorgeschäftsführer Aufgaben für ihn im Unternehmen, dabei wurden Möglichkeiten sowie Grenzen der Beschäftigung besprochen und Fähigkeiten sowie Einschränkungen dargestellt. Schließlich begann er zunächst ein zweimonatiges Praktikum, das am Ende nochmals um zwei Monate verlängert wurde. Im Anschluss daran wurde er als Produktionsassistent von Unternehmen fest eingestellt.

Arbeitsorganisation:

Bevor der Mann seine Tätigkeit im Unternehmen aufnahm, wurden die Beschäftigten über seine Behinderung mit den daraus resultierenden Einschränkungen informiert und auf die Zusammenarbeit mit ihm vorbereitet. Seine Betreuerin aus der WfbM gab kleine Seminare für die Kolleginnen und Kollegen zum richtigen Umgang mit dem neuen Produktionsassistenten - insbesondere die Kommunikation betreffend.
Die Handlungsabläufe in der Produktion wurden verstärkt standardisiert, weil schon geringe Abweichungen von der üblichen Routine den Produktionsassistenten aus dem Konzept bringen können. So müssen vor allem Arbeitswege freigehalten werden, weil bereits im Weg liegende Paletten oder Farbeimer den Mann zum Anhalten veranlassen und Einstellen der Arbeit bringen. Auch eine exakte Markierung etwa der Stellplätze für Container und das genaue einhalten dieser wurde eingeführt. Als Nebeneffekt wurde dadurch eine bessere Ordnung in der Produktionshalle und Sicherheit auf den Verkehrswegen erreicht.
Da Vertrauen zu Personen sehr wichtig ist, wurde geübt, dass er sich bei Problemen an bestimmte Vertrauenspersonen, wie zu Beginn beispielsweise an den Geschäftsführer, Personalleiter und später den Produktionsleiter wendet. Mit zunehmender Selbstsicherheit und Vertrautheit mit den anderen Beschäftigten, schafft es der Produktionsassistent auch diese direkt um Hilfe zu bitten.
Während des Praktikums wurde der Mann von seiner Betreuerin aus der WfbM begleitet und durch ein Arbeitstraining beim Erlernen der Tätigkeiten unterstützt. Seit seiner Festanstellung besucht regelmäßig ein Mitarbeiter des Integrationsfachdienstes (IFD) die Arbeitsstelle, um Probleme und Konflikte festzustellen und Lösungen für diese zu entwickeln.
Wichtig war auch, dass ein Tagesablauf mit fester Struktur und ausreichenden Pausen für den Mann entwickelt wurde. So kommt er jeden Morgen zu einer kurzen Besprechung mit dem Produktionsleiter. Beginnt dann mit der Ausführung seiner Aufgaben und unterbricht diese in festgelegten Abständen für zwei Pausen zu jeweils 30 Minuten.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe:

Zunächst erledigte der Mitarbeiter Gartenpflegeaufgaben auf dem Gelände des Betriebs. Nach und nach eignete er sich die nötigen Fähigkeiten für weitere Hilfsarbeiten als Produktionsassistent an. In der Produktionshalle arbeiten parallel 20 Maschinen, welche anfallende Papierabfälle in bereitstehende Container abgeben (Bild 1).
Der Produktionsassistent sorgt dafür, dass ausreichend neue Container zum Auffangen der Abfälle bereitgestellt werden und leert die Abfallcontainer. Er transportiert anfallende Papierabfälle zur Papierpresse und bedient diese auch selbstständig. Er bereitet fertiggestellte Waren für die Einlagerung vor und transportiert diese auch zum Lagerraum. Außerdem bereitet der Produktionsassistent fertige Produkte für den Abtransport vor, stapelt diese auf Paletten und wickelt sie in Folie ein (Bild 2).

Arbeitsschutz:

Aufgrund seines Analphabetismus wurden dem Produktionsassistenten die obligatorischen Sicherheitshinweise vorgelesen und die teils in schwieriger Sprache verfassten Regeln wurden ihm in einfachen Sätzen erklärt. Auch wurden vorhandene Schilder und Beschriftungen durch entsprechende Hinweise in einem Farbcode ersetzt.
In der Produktionshalle herrscht durch die Maschinen ein entsprechender Lärm und wie viele Beschäftigte nutzt auch der Produktionsassistent bei seiner Arbeit hier einen Gehörschutz. Dieser hilft zusätzlich eine Reizüberflutung durch störende Geräusche zu vermeiden.
An der Papierpresse führt eine Rampe auf ein ca. 1,5 m hohes Podest. Von hier wird die Papierpresse mit dem Inhalt der Container befüllt. Um den motorischen Fähigkeiten des Mitarbeiters gerecht zu werden, wurde das Podest mit einem umgebenden Geländer ausgestattet, welches ein Herabfallen verhindert.
Aufgrund seiner behinderungsbedingt verminderten Reaktionsgeschwindigkeit trägt er bei der Arbeit im Übrigen eine auffällige Warnweste, da im Bereich der Produktion auch Gabelstapler und kleine Hubwagen Lasten von bis zu zwei Tonnen transportieren. So können Kolleginnen und Kollegen, welche Lasten transportieren, ihn frühzeitig wahrnehmen.

Eingesetzte Hilfsmittel - Anzeigen der Produkte:


Förderung und Mitwirkung:

Der Arbeitgeber trug die Kosten für den Einbau des neuen Schutzgeländers an der Papierpresse selbst. Die Werkstatt für behinderte Menschen förderte den Übergang auf den ersten Arbeitsmarkt und übernahm die Betreuung und das Arbeitstraining vor Ort. Die Arbeitsagentur förderte den Übergang des Mannes in den ersten Arbeitsmarkt mit einem Eingliederungszuschuss. Das Integrations- bzw. Inklusionsamt zahlt einen Beschäftigungssicherungszuschuss, wegen der verminderten Leistung und fördert die Betreuung durch den Integrationsfachdienst.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Telefon-Nummern der Integrations- bzw. Inklusionsämter, Arbeitsagenturen, Werkstätten für behinderte Menschen und von Integrationsfachdiensten.



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Referenznummer:

PB/111026



Informationsstand: 03.04.2019